Beim letzten Koboldfunk hatte die Stadtwache eine ebenso einfache wie einträgliche Lösung für besonders gesprächige Nicht-Tote gefunden: das Nicht-Schweigegeld.
Wer nicht schwieg, zahlte.
Das funktionierte hervorragend.
Leider sprach sich diese Regelung herum – und plötzlich beschloss halb Ankh-Morpork, dass Schweigen möglicherweise die günstigere Form der Kommunikation sei. Zeugen schwiegen. Verdächtige schwiegen. Nicht-Tote schwiegen besonders überzeugend.
Ankh-Morpork wurde verdächtig still.
Also mussten die Fraktionen erneut eine Lösung finden.
Und diesmal wurde es kompliziert.
Die Stadtverwaltung hört zu
Lord Vetinari und die Stadtwache erkannten schnell, dass schweigende Bürger zwar schlecht für Ermittlungen sind, herumliegende Nicht-Tote dafür aber einen entscheidenden Vorteil besitzen:
Niemand beachtet sie mehr.
Ein Nicht-Toter, der seit Tagen an einer Straßenecke liegt, kann dort schließlich ausgezeichnet zuhören.
Deshalb sollen ausgewählte Nicht-Tote künftig als Spitzel eingesetzt werden, um das Stimmungsbild der Bevölkerung zu beobachten und anschließend Bericht zu erstatten. Als Gegenleistung werden diese Nicht-Toten vom Nicht-Schweigegeld befreit.
Lord Vetinari stellte außerdem klar, dass Nicht-Nicht-Tote grundsätzlich kein Nicht-Schweigegeld zahlen müssen.
Damit dürfte nun wirklich alles eindeutig geregelt sein.
Die Diebesgilde unterstützt die Wissenschaft
Unterdessen hat die Diebesgilde ein neues Geschäftsfeld entdeckt.
Die Magier der Unsichtbaren Universität benötigen für ihre Forschungen regelmäßig die Blumenhüte der Nicht-Toten. Die Diebesgilde erklärte sich daher bereit, diese gegen ein angemessenes Entgelt zu beschaffen.
Beziehungsweise zu stehlen.
Rein zu Forschungszwecken, versteht sich.
Damit ist nicht nur die wissenschaftliche Versorgung mit Hüten sichergestellt, sondern auch gewährleistet, dass deren Entwendung weiterhin ausschließlich durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgt.
Die Unsichtbare Universität sucht nach der Seele
Die Magier beschäftigen sich derweil mit einer wesentlich schwierigeren Frage: Wie tot ist ein Nicht-Toter eigentlich?
Da Tod weiterhin im Urlaub ist und der Rattentod aufgrund seiner Größe Verstorbene nur teilweise ins Jenseits begleiten kann, soll ein Seelendetektor entwickelt werden.
Mit diesem möchten die Magier feststellen, wie viel einer Seele der Rattentod bereits mitgenommen hat – und was eigentlich noch übrig ist.
Anschließend soll untersucht werden, ob das Aufsetzen oder Entfernen eines Blumenhutes Einfluss darauf hat, wie sehr sich ein Nicht-Toter wieder dem Zustand eines gewöhnlichen Toten annähert.
Für die notwendigen Hutentfernungen steht dankenswerterweise inzwischen die Diebesgilde zur Verfügung.
Die Wissenschaft macht Fortschritte.
Vor allem wirtschaftlich.
Und der Zweifel?
Der Zweifel war an diesem Abend nicht anwesend.
Ausgerechnet deshalb zeigte sich die Unsichtbare Universität ausgesprochen zuversichtlich, dass auch die Entwicklung ihres Elixiers gegen den Zweifel hervorragende Fortschritte mache.
Niemand stellte diese Einschätzung infrage.
Was von den Magiern als ausgesprochen gutes Zeichen gewertet wurde.
Damit endete ein weiterer Abend in Ankh-Morpork mit weniger Hüten, mehr Forschung und der beruhigenden Gewissheit, dass die Stadtverwaltung nun ganz genau weiß, was die Bevölkerung denkt.
Zumindest, wenn die Nicht-Toten richtig zugehört haben.

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