Alles begann mit einer eigentlich harmlosen Zukunftsvision der Unsichtbaren Universität: In fünf Jahren würde jeder Einwohner Ankh-Morporks einen Hut mit Blumen tragen.
Die Fraktionen reagierten angemessen unangemessen. Die Magier führten einen wöchentlichen Hut-mit-Blumen-Trage-Tag ein, die Diebesgilde beanspruchte das Monopol auf den Hutdiebstahl und die Näherinnengilde begann, Hutträger und Nicht-Hutträger getrennt zu behandeln.
Nur Tod war nicht einverstanden.
Er weigerte sich fortan, Menschen mit Blumenhüten ins Jenseits zu begleiten. Das wurde spätestens dann zum Problem, als die Assassinengilde feststellte, dass ihre fachgerecht durchgeführten Inhumationen nicht mehr ordnungsgemäß abgeschlossen werden konnten.
Die Betroffenen waren tot. Zweifelsfrei.
Sie lagen herum. Sie konnten sich nicht bewegen.
Aber sie kommunizierten noch.
Ankh-Morpork hatte ein neues Problem: die Nicht-Toten. Ausdrücklich nicht zu verwechseln mit Untoten. Untote sind etwas völlig anderes und vermutlich wesentlich einfacher zu verwalten.
Ankh-Morpork findet Lösungen
Lord Vetinaris Stadtverwaltung erkannte zunächst, dass die herumliegenden Nicht-Toten öffentlichen Raum beanspruchten. Folgerichtig wurden Parkgebühren und eine Liegesteuer eingeführt.
Die Stadtwache sammelt die Nicht-Toten ein und lagert sie an der Stadtmauer. Die Hüte werden dabei auf die Brust gelegt und die Arme darüber verschränkt, um versehentliches Wegfliegen zu verhindern. Außerdem gibt es nun Nicht-Schweigegeld: Wer auch nach seinem Tod partout nicht schweigen möchte, kann dafür mit Münzen oder Wertgegenständen zur Kasse gebeten werden.
Die Unsichtbare Universität ruft dagegen dazu auf, Nicht-Tote zu Forschungszwecken bei ihr abzugeben – dort entfällt schließlich die Liegesteuer! Untersucht werden sollen der Unterschied zwischen tot und nicht-tot sowie die Auswirkungen von Hüten mit und ohne Blumen. Nebenbei arbeitet man an einem Mittel gegen den Zweifel.
Die Bettlergilde erkannte schnell den außergewöhnlich hohen Bedauerungswert der Nicht-Toten und verteilt einige von ihnen wieder strategisch zum Betteln in der Stadt – darunter gelegentlich auch solche, welche die Stadtwache gerade erst zur Mauer getragen hatte.
Die Diebesgilde besteht weiterhin auf ihrem Monopol für Hutdiebstähle. Wer eigenmächtig einen Hut von einem Nicht-Toten „entwendet“, muss eine entsprechende Gebühr entrichten. Schließlich rechtfertigt der Tod des Besitzers noch lange keinen unlauteren Wettbewerb.
Auch die Näherinnengilde stockt ihr Personal auf und führt einen Berufsbildungstag – gerne mit Nadel – ein. Hutträger zahlen künftig einen Aufpreis und müssen ihren Hut während der Beratung aus Sicherheitsgründen aufbehalten. Welche Sicherheit damit genau gewährleistet wird, erläuterte die Gilde nicht.
Und der Tod?
Der macht Urlaub.
Seine Vertretung übernimmt der Rattentod. Dieser unterscheidet zwar nicht zwischen Hutträgern und Nicht-Hutträgern, kann aufgrund seiner Größe allerdings jeweils nur Teile eines Verstorbenen ins Jenseits begleiten.
Gleichzeitig erschien mit dem Nicht-Tod eine neue anthropomorphe Gestalt, die sich für die Rechte der Nicht-Toten einsetzt und versichert, diesen gehe es wirklich sehr gut.
Und schließlich wäre da noch der Zweifel.
Der ist sich nicht sicher, ob all diese Entscheidungen wirklich gut waren. Mit der entstandenen Verwirrung zeigt er sich hingegen äußerst zufrieden. Besonders das geplante Elixier gegen den Zweifel betrachtet er mit erheblichen Zweifeln und wird sich daher wohl in nächster Zeit häufiger in der Unsichtbaren Universität aufhalten.
Außerdem bittet er darum, bei zukünftigen Beratungen auch die Verwirrung einzubeziehen.
Wir sind uns nicht sicher, ob das eine gute Idee ist.
Aber vermutlich ist es dafür ohnehin zu spät.
Der Koboldfunk bleibt für euch an der Sache dran. Zumindest solange die Sache liegen bleibt.

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